Und der Geist schwebte über den Wassern

Die abkühlende Luft stand noch über der Stadt, das rege Treiben der Menschen war noch auf den Straßen zu hören und der Hall der donnernden Stimme des Muezzin war noch nicht verklungen, da sahen Merlin und ich uns grübelnd an. Wir wussten, dass etwas passieren musste, dass hier und jetzt eine Idee geboren werden sollte. Wir hatten das Freiheitsgefühl des spontanen und abenteuerlustigen Lebens während des zweiwöchigen Surfurlaubs in Marokko geschnuppert, und nun wollten wir mehr davon. Es bedurfte keiner Worte um gleichzeitig den selben Gedanken zu fassen: Ein Bus musste ausgebaut werden.

Kein moderner neuer Schlitten sollte es sein, sondern ein straßenerfahrenes Gefährt mit Seele und Charme - die automobilgewordene Möglichkeit, alles was man zum Leben braucht, jederzeit bei sich zu haben, frei zu sein und dabei die Welt zu entdecken.

Anmerkungen wie „wo ist Papier und Stift?“ bis hin zu „wollen wir das wirklich machen?“ begleiteten diesen lauen Abend, denn sollten wir das Projekt tatsächlich in Angriff nehmen, so lag viel Planung, Arbeit und auch Zankerei vor uns, denn es gab mehrere Köche, aber nur einen Brei.

Ausgerechnet in Marrakesh, einer Stadt mit einer Mentalität, die der mitteleuropäischen nicht entgegengesetzter sein könnte, wurde der Entschluss gefasst, einen ehemaligen Transporter auszubauen, der uns in Zukunft ein Leben in einem uns unbekannten und neuen Umfeld ermöglichen sollte. Ein fahrendes Zuhause sollte entstehen.

Aller Anfang ist schön...

Zurück in Deutschland kann es endlich losgehen. Zunächst müssen wir uns nach einer geeigneten Basis für unser fahrendes Zuhause umsehen. Nach etlichem Hin und Her entscheiden wir uns für einen altgedienten VW T4 Transporter, der in seinem früheren Leben einer Schreinerei gute Dienste geleistet hatte. Der solide und langlebige Tubrodiesel-Motor mit 2,5 Litern Hubraum liefert ausreichend Leistung um überall zügig voranzukommen und jede Steigung problemlos zu meistern. 

Voller Inspiration und Enthusiasmus doch ziemlich planlos  und unerfahren stürzen wir uns sofort auf den Ausbau, probieren vieles aus, werfen alles über den Haufen und fangen von vorne an. Nach zwei intensiven Monaten mit arbeitsreichen Nächten stehen wir um viele Erfahrungen reicher vor einem Resultat, das sich sehen lassen kann. 

Unser Camper bietet Sitz-und Schlafplätze für drei Personen, ist mit Kühlschrank und Küche ausgestattet und ist dank Zweitbatterie und Solarpanel elektrisch autark.

Den größten Teil des Innenraums gestalten wir mit Holz. Das sieht nicht nur gut aus, sondern schafft einen natürlichen und ausgesprochen gemütlichen Raum zum Wohlfühlen.

Should I stay or should I go?

Nach einer ausgiebigen Einweihungsfahrt durch Ost- und Südeuropa drängte sich schließlich die unangenehme Frage auf: "Was nun?". Die ökonomischste Variante wäre wohl gewesen, das Gefährt so schnell wie möglich wieder zu veräußern. Aber wir brachten es einfach nicht über's Herz. Durch den Ausbau und die Reise waren der Bulli und das Team eine unzertrennliche Einheit geworden, und es musste einfach eine Möglichkeit geben, ihn zu behalten.

Es hatte sich schnell in unserem Freundes- und Bekanntenkreis herumgesprochen, dass wir einen Camper haben und es dauerte nicht lange, da kam auch schon die erste Leihanfrage. Und es sollte nicht bei einer bleiben...

aus Eins mach Zwei

Von der traumhaften Insellandschaft Kroatiens, über die unberührte Natur Sloveniens, bis ganz in den Süden Italiens erkundete unser Bulli nach und nach Europa und ermöglichte dabei unseren Freunden und Verwandten jedes mal diese ganz besondere Erfahrung des Reisens, die Freiheit und Spontanität des Erkundens fernab von touristischen Hochburgen - frei nach dem Motto: "home is where you park it".

Die Resonanz war überwältigend. Inspiriert und beflügelt von den vielen positiven Rückmeldungen und Erfahrungsberichten machten wir uns im Frühjahr 2018 an den Ausbau von Bus zwei. Dieser war ziemlich unvermittelt in unser aller Leben getreten. Er stand plötzlich da, am Straßenrand, mit einem unscheinbaren "zu Verkaufen"-Schild versehen. Er kam quasi zu uns und so kamen wir zum Bus.

Die Erfahrungen aus unserem ersten Ausbau zahlten sich nun aus. Nachdem wir unsere Ideen und Pläne zu Papier gebracht, alle notwendigen Teile bestellt und kleinere technische Unzulänglichkeiten aus der Welt geschafft hatten, konnte es losgehen. Wieder wurden die Nächte lang, die Geister kreativ und das Ergebnis schön; nach zwei Wochen stand das Grundgerüst und weitere drei Wochen später der formvollendete Camper mit Schlaf- und Wohnraum, Küche und allem was es sonst noch braucht. Kurz darauf war auch er unterwegs und verbrachte den Sommer überall da wo es schön ist.